Als Designtheoretiker des Studiengangs Kommunikationsdesign vertrete ich folgende Lehrgebiete: Designgeschichte und Designtheorie, Filmtheorie, Visuelle Kulturen (Bilderwelten), Kulturtheorie (Populärkultur, Subkulturen, Sach- und Konsumkultur), Medientheorie.
Die folgenden Seminare und Projekte biete ich an der Hochschule RheinMain Wiesbaden an:
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SEMINARE BA KOMMUNIKATIONSDESIGN
Designgeschichte (1. Semester)
Bilderwelt, Weltbilder: Zu visuellen Kulturen der Gegenwart
Bilder, die Geschichte schrieben
Fotografie im Film 1 & 2: Wie wir uns mit der Kamera erinnern
Sachkultur und Konsumkultur: Was uns die Dinge erzählen
Fetische, Statusobjekte und Sammeldinger (Sachkultur 2)
Moralkonsum
Sex sells: Werbung, Mode, Verpackungsdesign und Sexualkultur
Skandal: Film, Fotografie, Medien und Gesellschaft
Jugend=Kultur. Musik, Lifestyle, Politik
Stadt, Garten der Zukunft
Alles Design: Aktuelle Trends in der Gestaltung
Musik im Film: Von Chaplin zu Tarantino, von MTV zum Audio Branding

PROJEKTE BA KOMMUNIKATIONSDESIGN
Event- und Ausstellungsdesign (Projekt Semester-Rundgang)
Publikation und Marketing Semester-Rundgang (Projekt Multi-Media)

MASTER „MEDIA & DESIGN MANAGEMENT“
Media & Design Theory – Manufactum-Prinzip und Moralkonsum (Master „Media & Design Managment“)
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Designgeschichte
In diesem Seminar untersuchen wir die Designdebatten ab 1900: vorindustrielles Handwerk oder industrielle Produktion? Nachahmung alter Stile („Kunstanklebung“) oder die „Schönheit der Maschine“? Imponiermöbel für eine kleine Zielgruppe oder ästhetische Erziehung der gesamten Gesellschaft? Das Design war (und ist) bezogen auf die Ideale des Funktionalismus: Zweckmäßigkeit, messbare Schönheit, Rationalisierung und optimierbare Konstruktion. Seit einigen Jahrzehnten werden verstärkt die breiteren gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenhänge in den Blick genommen – Parameter wie Emotionalität, Geschlecht, Nachhaltigkeit, Qualität, Glück oder Lebensstil.

Bilderwelt, Weltbilder: Zu visuellen Kulturen der Gegenwart
„Der Verkäufer im Farben- und Tapetenfachgeschäft hilft uns, knospende Buchenwälder und glühende Herbstlandschaften mit Hilfe selbstklebender Tapeten hervorzuzaubern. Sie sagen unleugbar eine Menge darüber aus, wie wir uns – in einer Umwelt, deren Zerstörung ständig zunimmt – unsere Umgebung wünschen. Sie spiegeln unseren Traum von einer schöneren Welt wider als der, in der wir leben. Vielleicht sind die geschönten Bilder trotz allem ein interessanteres Forschungsobjekt als diejenigen, welche die Wirklichkeit abbilden, wie sie ist, weil sie so viel über unsere Einstellung und Wertungen zu berichten haben.“ (Nils-Arvid Bringéus)
Bilder sind prominente Mitbewohner unserer Zeit, für manche gar die Signatur der Gegenwart. Das Seminar untersucht, welche Rolle die Bilder für unsere PERSÖNLICHE ODER KULTURELLE IDENTITÄT spielen können, wie sich das Programm Photoshop auf unsere Schönheitsideale auswirkt und was es bedeutet, live bei Katastrophen zuzusehen.

Bilder, die Geschichte schrieben
Bilder erzählen Geschichten, sie konstruieren, was wir für „die Geschichte“ halten. Bilder sind deshalb aktive Akteure bei der Herstellung unserer Vorstellungen von der Vergangenheit. BILDER MACHEN GESCHICHTE. Sie tun das aber nicht nur im nachhinein, sondern sie greifen sofort und unmittelbar in den Lauf der Geschichte ein – sei es das Bild eines erschossenen Präsidenten oder eines stolzen Revolutionärs, das Foto einer Masse von begeisterten Volksgenossen oder das Bild des angebeteten Popstars. In diesem Seminar untersuchen wir eine Fülle von Bildern aus den letzten hundert Jahren, die zu Ikonen wurden und was sie bewirkten.

Semesterhandapparat:
Gerhard Paul (Hg.), Bilder, die Geschichte schrieben

Fotografie im Film: Wie wir uns mit der Kamera erinnern
Fotografien sind essentiell für unser Gedächtnis und für unsere Identität, ja sie sind ein wesentliches Mittel, mit dem wir uns heute unsere Welt konstruieren. Mal ist das Foto ein Beweis und dann wieder ein Medium für Manipulationen oder Illusionen. In zahlreichen Filmen spielen Fotografien deshalb eine zentrale Rolle (Bewegtbild trifft Standbild). An Beispielen aus Filmen wie Fenster zum Hof oder Blade Runner (bzw. in der Fortsetzung des Seminars: von Die fabelhafte Welt der Amelie oder City of God) werden wir die verschiedenen Facetten des Bildgebrauchs untersuchen.

Sachkultur und Konsumkultur: Was uns die Dinge erzählen
Warum konsumieren Menschen Dinge? Und was sagt uns der persönliche Besitz über einen Menschen? Für die Bedeutung eines Gegenstands spielen nicht nur dessen Ästhetik und dessen Funktion eine Rolle. Als Statussymbol oder kultureller Marker, als persönliches Souvenir oder Talisman kann ein Objekt eine Reihe von „unsichtbaren“ Kräften aufweisen. Weit entfernte Zeiten oder fremde Kulturen lassen sich deshalb nicht ohne weiteres erschließen. Und was können wir über die Sach- und Konsumkultur unserer eigenen Gegenwart herausfinden?

Fetische, Statusobjekte und Sammeldinger
(Sachkultur 2)
Die Dinge, die uns in unserem Alltag umgeben, sind oftmals mehr als nur Zeug. Sie sind die geliebten oder gehassten Begleiter unseres Alltags, die Kriterien unserer persönlichen Identität und Kraftwerke für unsere tiefsten Bedürfnisse. Wir laden die Dinge mehr oder weniger stark auf – mit Erinnerungen, Energien, Kräften, Geltung, Ausstrahlung, Bedeutung usw. Fetische, Statusobjekte und Sammelgegenstände sind drei verschiedene Versionen dessen, was wir als das besondere Objekt bezeichnen könnten. Das Spektrum der Untersuchung reicht von afrikanischen Ritualgegenständen und Kunstwerken über Altäre, Reliquien und Devotionalien bis hin zu den „Batterien der Geltungskraft“ (Hartmut Böhme) oder den Sammlungen von Action-Figuren bis Zigarettenschachteln.
(Die Lehrveranstaltung stellt eine Vertiefung meines Seminars „Sachkultur und Konsumkultur“ dar: Insofern sollten die Teilnehmenden zuvor dieses Seminar erfolgreich besucht haben.)

Moralkonsum: Aktuelle Trends in der Gestaltung
In unserer postindustriellen, hoch individualisierten Gesellschaft sortiert sich die soziale Welt weniger nach Schichten als vielmehr nach Lebensstilen: Was und wie wir konsumieren, definiert unsere Identität. Der Kauf von handgefertigten und/oder moralisch wertvollen Gütern stellt dabei den wohl attraktivsten Trend der jüngsten Zeit dar. Die Genusselite kauft sich „Wellness fürs Gewissen“ (Kathrin Hartmann). Diejenigen, die zu ihr gehören möchten, eifern ihr nach. Und die Wirtschaft begrüßt und fördert diesen Trend nach Kräften. Der Retrotrend, die Suche nach Authentizität, der Luxus des „einfachen“ Lebens, die Entschleunigung unserer rasenden Gegenwart – diese und andere Angebote auf den „Sinnmärkten“ unserer Zeit werden in diesem Seminar untersucht.

Sex sells: Werbung, Mode, Verpackungsdesign und Sexualkultur
Wann ist Design sexy? Und was bringt das? Das Seminar untersucht die vielfältigen Beziehungen zwischen Design und Sexualität. Dabei steht die Rolle von Sexualität, Erotik und Pornographie in der Gegenwartsgesellschaft im Zentrum der Analyse – von der sexuellen Revolution der 60er Jahre bis zur Pornographisierung heute.
Die zentralen Themen lauten: Sexualität als Stimulus in der Werbung; die Aufmerksamkeitsökonomie; die Genderfrage und die unterschiedlichen nationalen und sozialen Kulturen; sexuelle Ausbeutung in den neuen Medien; der Widerstreit zwischen Lust und Moral, zwischen Begehren und Askese.

Skandal: Film, Fotografie, Medien und Gesellschaft
„Kein Film darf gedreht werden, der dem moralischen Niveau der Zuschauer abträglich sein könnte. Außerdem darf man den Zuschauer nie dahin bringen, dass er für das Verbrechen, das Böse oder die Sünde Partei ergriffe“, hieß es mal im Moralkodex für Hollywood. Vor hundert Jahren entwickelte sich mit der Traumfabrik in Kalifornien ein zentraler Wirtschaftszweig aber nicht zuletzt mithilfe der Dynamik von Skandalen.
Mittlerweile scheint sich das Kräftebündel aus Aufregung, Erregung und Empörung aller Felder der Gesellschaft bemächtigt zu haben: Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und allen voran der Markt der medialen Eitelkeiten. Wie funktionieren Skandale? Verdienen es die zahlreichen Aufreger aus der aktuellen Medienwelt (Fake News beispielsweise) überhaupt zu dieser Kategorie gezählt zu werden? Kann man mit der Dynamik des Skandalisierens erfolgreich eine Karriere oder eine gelungene Kommunikationsstrategie aufbauen? In diesem Seminar untersuchen wir historische und zeitgenössische Beispiele der Empörung aus den verschiedenen Bereichen.

Jugend=Kultur. Musik, Lifestyle, Politik
„Trau keinem über 30“? Diese Warnung dürfte mittlerweile Geschichte sein. Heute tragen alle Generationen Jeans und Turnschuhe und die Kultur der Jugendlichkeit wurde generalisiert: Popmusik, heiße Klamotten, coole Sprüche, Drogen für alle. Wie definieren sich die immer jugendlicheren Alten? Und wie grenzen sich die Kulturen von Jugendlichen mittlerweile von denen der Älteren ab? In welchen Formaten und Medien spiegelt sich Jungsein heute?
Während die einen auf den Gebrauch aktueller Medien setzen, auf spezielle Formate wie Blogs, Spiele oder Webserien, kultivieren andere den kreativen Umgang mit der Mode. Das Seminar widmet sich den verschiedenen Jugendkulturen seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts, die auf immer wieder neue Weise dazu dienen die Gesellschaft zu verändern, zu dynamisieren und ihre Protagonisten mit der sprichwörtlich jugendlichen Aufbruchstimmung zu versorgen.

Stadt: Garten der Zukunft
Wir leben in einer Zeit, die Landflucht und Landsehnsucht vereinigt: Die Stadt ist nach wie vor der Lebensmittelpunkt des modernen Menschen – der Nährboden und Katalysator für Innovationen und Kreativität. Derzeit erleben wir geradezu so etwas wie eine Verstädterung der Welt. Welche Rolle kann die Stadt spielen angesichts der großen Herausforderungen für die Menschheit? In diesem Seminar beschäftigen wir uns mit aktuellen Theorien zur Entwicklung der Stadt und untersuchen die Möglichkeiten für konkrete Visionen.
Einige Beispiele aus dem Themenspektrum: Green City; Der Garten als Ort des Rückzugs und der Begegnung; Die Stadt als Garten; Raum und Infrastruktur für Kommunikation; Öffentlicher Raum – Kunst, Politik, Lebensstil, Werbung , Orientierung und Information; Der Garten als Teil oder Gegenteil der Stadt; Die unsichtbare Stadt und ihre Datenströme; Gentrifizierung – verpönt und ersehnt; Stadtmarketing; Mode und Bekenntnis

Alles Design: Aktuelle Trends in der Gestaltung
In den westlichen Industrienationen sind wir flächendeckend mit einer durch und durch gestalteten Umwelt konfrontiert. Massenhaft werden Konsumgüter und Produkte der visuellen Kommunikation hergestellt. Und in diesem Sinne leben wir in einer Designgesellschaft. Dieser Ausdruck ist auch deshalb so treffend, weil die Gestaltung eine zentrale Rolle für alle möglichen Bereiche des täglichen Lebens spielt. Design ist zu einem allgegenwärtigen Imagefaktor geworden. Und es gibt wohl keinen Bereich des menschlichen Handelns mehr, der als nicht „designfähig“ gesehen wird. Ausgehend von dem Buch „Total Design“ von Mateo Kries (Vitra Design Museum) werden in diesem Seminar aktuelle Trends in der Gestaltung untersucht. Was sind die Rollen und Möglichkeiten des Designs in der Designgesellschaft?

Musik im Film
Von Chaplin zu Tarantino, von MTV zum Audio Branding
Erst lernten die Bilder laufen – und dann singen. Unter den auditiven Elementen eines filmischen Werks spielt die Musik eine ganz besondere Rolle. Von den Musical- und Revuefilmen bis zum Musikvideo, von der visuellen Musik der Avantgardekunst bis zum Animationsfilm, vom Einsatz der Musik in Werbespots bis zum Audio-Branding, also der akustischen Gestaltung einer Marke reicht das Spektrum der Themen, die in diesem Seminar untersucht werden.

Event- und Ausstellungsdesign A (gemeinsam mit Prof. Börries Müller-Büsching)
Im jedem Semester betreut das aktuelle Projektteam eine der wichtigsten
Veranstaltungen des Studiengangs – den Semester-Rundgang: das heißt die Abschlussausstellung, Abschlussfeier und Abschlussparty des Sommersemesters 2017.
Für die Veranstaltung ist ein Corporate Design samt Motto zu entwickeln und in Form von Drucksachen, Website und Ausstellungslook umzusetzen.
Seit dem Wintersemester 2015-16 findet der Semester-Rundgang an wechselnden Orten im Wiesbadener Stadtraum statt („Sehen und Gesehen-Werden“). Bislang war der Studiengang zu Gast an folgenden Orten: Projektraum Stadtmuseum, Theater Walhalla, Ehemalige Filiale Fielmann-Optik, Nassauischer Kunstverein.
Seit dem Sommersemester 2016 wird der Semester-Rundgang von der Johannes-Alexander-Schroth-Stiftung finanziell unterstützt: Dies ermöglicht die Bespielung von Orten abseits des Campus sowie die Produktion eines Katalogs zur Dokumentation der Bachelorarbeiten. Neben den konzeptionell-gestalterischen Aspekten werden in diesem Projekt vor allem Skills der Teamarbeit und des Projektmanagements entwickelt und trainiert.
Dieses Projekt steht in Zusammenhang mit dem Projekt „Publikation und Marketing Semester-Rundgang“ (Mixed Media 3_78), wo der Katalog und die Videos begleitend zur Abschlussausstellung konzipiert und realisiert werden.

Publikation und Marketing Semester-Rundgang (gemeinsam mit Prof. Börries Müller-Büsching)
Dieses Projekt steht in Zusammenhang mit dem Projekt der Abschlussausstellung (Event- und Ausstellungsdesign A), wo Corporate Design, Raumkonzept und Info-Design der Abschlussausstellung konzipiert und realisiert werden. Das Projekt widmet sich zum einen der Erstellung des Katalogs: Durch die Unterstützung der Johannes-Alexander-Schroth-Stiftung ist es wieder möglich, einen deutsch-englisch-sprachigen Katalog zu produzieren, der die Bachelorarbeiten des aktuellen Semesters dokumentiert. Der zweite Aufgabenbereich betrifft die Dokumentation des Semester-Rundgangs in Bildern. Das Projekt-Team konzipiert und produziert Fotos und Videos, mit denen die Ausstellung bzw. die Bachelorprojekte auf der Werkschau-Seite und in den sozialen Medien beworben und dokumentiert werden.
Idealerweise wird dieses Projekt von denselben Studierenden betrieben, die auch die Abschlussausstellung machen. Doch selbstverständlich sind auch „Quereinsteiger“, die sich besonders für Buchproduktion oder Filmproduktion interessieren herzlich willkommen.
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MASTER „MEDIA & DESIGN MANAGEMENT“

Media & Design Theory – Manufactum-Prinzip und Moralkonsum (Master „Media & Design Managment“)
Uli Burchardt, der ehemalige Marketingchef des Warenhauses Manufactum hat 2012 ein Buch gegen die Kultur des Geizes in Deutschland geschrieben: Ausgegeizt. Wertvoll ist besser – Das Manufactum-Prinzip. Burchardt untersucht die sechs Flüche der „Billigrepublik Deutschland“ (so etwa den Fluch der niedrigen Kosten), entwirft aber auch sechs Prinzipien für einen Ausweg, für eine nachhaltige Wirtschaft. In dieser Lehrveranstaltung beleuchten wir Burchardts Ausführungen und diskutieren sie im Kontext des gegenwärtigen Manufaktur- und Handwerk-Booms. Zur gesellschaftlichen Kontextualisierung und politischen Kritik studieren wir die Argumente aus Kathrin Hartmanns Buch „Ende der Märchenstunde: Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt“.

Kernkonzepte

Handwerk-industrielle Fertigung

Ästhetik: Schmuck, Ornament-sachliche Gestaltung, Schönheit des Materials

Funktion, instrumentale Funktion (manifest; latent; funktionale Alternativen)

Bedeutung, sozialer Sinn, symbolische Bedeutung (Lifestyle, Prestige, Status)

Gender und Design

Fülle: Wohlstand, Überfluss, Verschwendung, Vergeudung, Fest, Luxus

Konsumkritik, -verzicht, Ding-Diät, Askese

Ökologische Verantwortung (Cradle-to-cradle), Moralkonsum

Manufaktur und Handarbeit

Geplante Obsoleszenz (Manufactum als Anti-Obsoleszenz)

Was braucht der Mensch? / Die drei Motivationskreise